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Safer Sex

Die Diagnose HIV-positiv bedeutet nicht, dass du nun auf erfüllende Beziehungen und ein glückliches Sexualleben verzichten muss! Beziehungen und Sexualität sind zentrale Aspekte des Lebens und der Identität eines jeden Menschen. Da sich das HI-Virus nicht so einfach überträgt, ist trotz der HIV-Infektion vieles unverändert möglich.


Risiko und Schutz

Zusammensein ohne Übertragungsrisiko

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich ohne jede Gefahr einer Übertragung des HI-Virus nahe zu sein:

  • Streicheln, Kuscheln, Knuddeln
  • Gegenseitiges Wichsen
  • Küssen – auch intensives Zungenküssen

In anderen Situationen können einfache und effektive Schutzmassnahmen eine HIV-Übertragung verhindern:
  • Safer Sex: Beim Analverkehr immer ein Präservativ verwenden; beim Oralverkehr vermeiden, dass Sperma in den Mund kommt, und dieses im Falle einer Panne nicht schlucken. Safer Sex verringert auch das Risiko, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) anzustecken.
  • Wirksame ART: Wenn die antiretrovirale Therapie (ART) seit mehr als sechs Monaten so gut wirkt, dass im Blut keine Viren mehr nachgewiesen werden können, ihre Wirkung von einem Arzt, einer Ärztin regelmässig kontrolliert wird, und keine andere sexuell übertragbare Infektion vorhanden ist, ist eine HIV-Übertragung über Sexualkontakte praktisch ausgeschlossen (EKAF-Statement).
  • Serosorting: Menschen mit HIV/Aids suchen gezielt nach einem Partner, einer Partnerin, der bzw. die ebenfalls HIV-positiv ist. Durch Serosorting entfällt die Angst vor der Übertragung von HIV, aber es besteht kein Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Die Wahrscheinlichkeit, sich zusätzlich mit einem zweiten Virusstamm zu infizieren, ist verschwindend klein.
  • Safer Use: Falls Drogen intravenös konsumiert werden, nie Spritzbesteck und Zubehör gemeinsam benutzen.

Wer muss wen wovor schützen?

In einer stabilen serodifferenten Paarbeziehung sollen beide zusammen entscheiden, wie sie eine HIV-Übertragung innerhalb der Beziehung verhindern wollen – mit Safer Sex oder mit einer wirksamen, konsequent durchgeführten und kontrollierten ART (nach gemeinsamer ärztlicher Beratung). Zusätzlich muss besprochen werden, wie beide vermeiden können, mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) in Kontakt zu kommen.

Unter Gelegenheitspartnern sollte immer Safer Sex praktiziert werden, da das Risiko besteht, einerseits das HI-Virus zu übertragen und andererseits, sich mit einer anderen STI zu infizieren.

Grundsätzlich gilt in dieser Situation: Jeder ist selbst dafür verantwortlich, sich vor einer HIV-Übertragung zu schützen. Leider sieht das die Schweizer Rechtsprechung nicht so. Nach ihr machen sich Menschen mit HIV/Aids strafbar, wenn sie das Gegenüber nicht mit einem Präservativ vor einer Übertragung schützen – und dies auch bei Gelegenheitskontakten.

Allerdings wurde die wirksame antiretrovirale Therapie 2009 von einem Gericht erstmalig als ausreichender Schutz anerkannt.

Unter Therapie (ART)

HIV-positive Menschen, die die antiretrovirale Therapie konsequent einnehmen und keine anderen sexuell übertragbaren Infektionen haben, sind – falls gewisse Bedingungen erfüllt sind – sexuell nicht infektiös

Anfangs 2008 publizierte die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen (EKAF) eine Erklärung mit der folgenden Kernbotschaft: „HIV-infizierte Menschen ohne andere sexuell übertragbare Infektionen sind unter wirksamer antiretroviraler Therapie sexuell nicht infektiös“ (EKAF-Statement). Das heisst, sie geben das HI-Virus über Sexualkontakte nicht weiter. Allerdings müssen dazu drei Bedingungen erfüllt sein:

Eine HIV-Übertragung über Sexualkontakte ist praktisch ausgeschlossen, wenn

  • die antiretrovirale Therapie konsequent eingehalten und ihre Wirksamkeit regelmässig ärztlich kontrolliert wird,
  • die Viruslast seit mindestens 6 Monaten unter der Nachweisgrenze liegt und
  • keine andere STI besteht.

Notfall-Behandlung PEP

Das Präservativ ist gerissen, oder es wurde vergessen: Nach Hochrisikosituationen kann eine Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) das Übertragungsrisiko für den HIV-negativen Partner nachträglich deutlich senken.

Falls das Präservativ abrutscht, reisst oder vergessen wurde und es deshalb doch zu ungeschütztem Analverkehr kommt, kann die HIV-negative Person eine sogenannte Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) durchführen. Diese kann die drohende Übertragung des HI-Virus mit grosser Wahrscheinlichkeit noch verhindern. Die HIV-negative Person muss sich in diesem Fall aber so schnell wie möglich – allerspätestens innerhalb von 72 Stunden – an ein HIV-Behandlungszentrum (LINK) wenden. Dort wird abgeklärt, ob effektiv eine Hochrisikosituation bestand und eine PEP angebracht ist.

Damit der HIV-negative Partner von dieser Möglichkeit profitieren kann, ist es wichtig, ihn nach einer Kondom-Panne über den eigenen Serostatus zu informieren, wenn er vorher noch nicht bekannt war. Dies ist eine grosse Herausforderung! Nur so aber kann eine mögliche HIV-Übertragung noch verhindert werden.

Was ist die PEP?

Die PEP ist eine medikamentöse Notfallmassnahme. Die gefährdete Person nimmt während vier Wochen die gleichen Medikamente ein, die bei einer antiretroviralen Therapie gegen HIV eingesetzt werden. Dabei kommt es oft zu unangenehmen Nebenwirkungen. Es lohnt sich aber, diese durchzustehen, denn mit einer PEP wird das Übertragungsrisiko um mindestens 80% gesenkt.

Eine PEP wird empfohlen

  • nach ungeschütztem Analverkehr mit einer HIV-positiven Person,
  • nach ungeschütztem aufnehmendem Oralverkehr mit Samenerguss eines HIV-infizierten Partners
ausser die HIV-positive Person ist unter einer wirksamen antiretroviralen Therapie, und die Viruslast in ihrem Blut ist seit sechs Monaten nicht mehr nachweisbar (ART).


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