Infos zum Thema HIV und Laborwerte
Wie sind die Werte? Diese Frage kennt sicherlich jeder HIV-positive Mensch. In der Regel alle drei Monate steht die Kontrolluntersuchung bei deinem Arzt an. Dabei wird Blut abgenommen, um den Verlauf der HIV-Infektion zu überprüfen. Wenn du eine antiretrovirale Therapie einnimmst, wird der Arzt anhand deiner Blutwerte überprüfen, wie gut sie funktioniert. Haben sich deine Werte stark verschlechtert, wird er gegebenenfalls eine Veränderung der Therapie vorschlagen. Wenn du noch keine Therapie bekommst, wird anhand der Werte überprüft, ob der Zeitpunkt gekommen ist, mit einer zu beginnen.
Ganz allgemein:
Die wichtigsten Blutwerte sind die „Viruslast“ und die Zahl CD4, der Helferzellen im Blut. Sie geben Aufschluss darüber, ob und wie stark sich HIV im Körper vermehrt und inwiefern das Immunsystem dadurch bereits geschädigt ist.
Mit Viruslast bezeichnet man die Anzahl der Viren im Blut. Gemessen wird die Anzahl der Viruskopien pro Milliliter (ml) Blut. Bei HIV-Infizierten, die keine Therapie bekommen, gilt ein Wert von unter 10.000 als niedrig, ab 50-100.000 Kopien spricht man von einer hohen Viruslast.
Ganz anders verhält es sich, wenn du eine Therapie einnimmst: Dann ist das Ziel, die Virusvermehrung so weit zu unterdrücken, dass die gängigen Testverfahren keine Viren mehr im Blut nachweisen können. Das ist der Fall, wenn die Viruslast unter 20 bis 50 Kopien sinkt, sie liegt dann „unter der Nachweisgrenze“.
Die Anzahl der Helferzellen (auch: CD4-Zellen, T4-Lymphozyten genannt) ist ein wichtiger Hinweis darauf, wie stark das Immunsystem bereits geschädigt ist. Die Zahl dieser Zellen fällt schon bei gesunden Menschen sehr verschieden aus; die Werte sind also immer mit Vorsicht zu interpretieren. Als normal gilt eine Helferzellzahl von mehr als 600 – 1200 pro Mikroliter Blut. Ein Therapiebeginn wird ab 350 CD4 empfohlen, neueste Untersuchungen empfehlen gar einen Therapiebeginn bei ab 500 CD4 und darunter.
Wichtig: Wenn deine Werte schlechter geworden sind, müssen sie nicht für immer so bleiben. Sie unterliegen gewissen Schwankungen, und durch Veränderungen an der Therapie kann die Lage bei der nächsten Messung schon wieder ganz anders aussehen.
Über den Immunstatus hinaus werden bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen noch zahlreiche weitere Untersuchungen durchgeführt. Sie geben Aufschluss über deinen allgemeinen Gesundheitszustand, aber auch darüber, wie dein Körper auf die Medikamente reagiert. Überprüft werden dabei deine roten Blutkörperchen und Blutplättchen, deine Fett- und Zuckerwerte und deine inneren Organe wie die Leber, die Niere und die Bauchspeicheldrüse. So kann der Arzt früh feststellen, wenn die Medikamente zum Beispiel deinen Fettstoffwechsel durcheinander bringen oder die Leber in Mitleidenschaft gezogen wird.
Nicht zuletzt sollten sich sexuell Aktive bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen auch auf andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Hepatitis, Chlamydien, Tripper und Syphilis durchchecken lassen. Die können nämlich den Verlauf der HIV-Infektion beschleunigen. Außerdem besteht durch sie oft eine höhere Wahrscheinlichkeit, HIV weiterzugeben
Blut und Blutbild
Das Blut ist eine bunt gemischte Flüssigkeit. Es besteht einerseits aus Zellen, die viele unterschiedlichen Aufgaben erfüllen, anderseits aus Flüssigkeit (Serum und Plasma), in der die Zellen schwimmen. Flüssigkeit enthält Eiweisse, Nährstoffe und Salze. Botenstoffe, Hormone, oder Stoffwechselabfälle werden durch den Körper an ihren jeweiligen Bestimmungsort transportiert. Die gesamte Menge Blut macht beim erwachsen Menschen ungefähr 6-8% seines Körpergewichtes aus.
Du wirst ganz viele unterschiedliche Blutwerte auf deinem Laborbefund finden, lass dir vom Arzt alle ganz genau beschreiben.
Die CD4 Zellen / Helferzellen
Die Untersuchung der Helferzellen spielen bei einer HIV-Infektion eine ganz wichtige Rolle. Die Helferzellen sind eine Untergruppe der Lymphocyten und sozusagen die Dirigenten des Immunsystems. Sie erkennen Eindringlinge und aktivieren Abwehrzellen welche diese attakieren und vernichten sollen.
Das HI-Virus bindet ausgerechnet an diese Zellen, und benutzt sie für die eigenen Vermehrung. Dadurch gehen die Helferzellen zugrunde. Wenn schliesslich der Nachschub neuer Helferzellen erschöpft ist, wird das Abwehrsystem nicht mehr zur Reaktion gegen Krankheitserreger angeregt, so dass sich diese ungehemmt ausbreiten können.
Die normale Helferzellzahl schwankt schon bei nicht HIV–Infizierten sehr stark. Sie liegt bei einer Anzahl von 500–1500/µl Blut, das entspricht einem Anteil von 30–50 % der Lymphocyten insgesamt . Fällt ihr Anteil unter 15 %, bzw. ihre Zahl unter 200/µl Blut, ist die Abwehrfunktion des Immunsystems gefährdet und die Gefahr von opportunistischen Erkrankungen nimmt stark zu. Um solchen Komplikationen möglichst vorzubeugen, wird deshalb heute allgemein dazu geraten, eine antiretrovirale Therapie zu beginnen, wenn die Helferzellen unter 350/µl Blut abfallen, ja sogar bei 500/µl.
Weil die Helferzellzahl sehr schwanken kann, sollte eine Therapieentscheidung aber nicht von einem Wert allein abhängig gemacht werden, wenn dieser nicht ganz eindeutig ausfällt. Vielmehr sind die Werte im Verlauf zu beurteilen. Wie entwickeln sich die Werte? Wie schnell fällt die Helferzellzahl ab? Anhand des jeweiligen Verlaufes kann dann entschieden werden, wie notwendig es ist, eine medikamentöse Therapie zu beginnen oder ob regelmäßige Kontrollen ausreichen. Einfache Verlaufskontrollen der Helferzellen sollten alle drei Monate durchgeführt werden.
Sozusagen die Gegenspieler der Helferzellen, sind die Suppressorzellen. Supression bedeutet Unterdrückung. Die Suppressorzellen verhindern dass das Immunsystem überreagiert, womit es dem Körper schaden würde. Die Gegenspieler der CD4 Zellen sind die CD8 Zellen. Normalerweise gibt es mehr Helferzellen als CD8 Zellen, das Verhältnis liegt bei – oder über – 1. Mit fortschreitendem Immundefekt sinkt es unter eins.
Die Viruslast
Je stärker sich HIV vermehrt, desto höher ist das Risiko, dass das Immunsystem abbaut und Krankheitssymptome auftreten. Je aktiver sich das Virus vermehrt, desto höher ist die Anzahl der Viren im Blut, die sogenannte Viruslast. Seit den neunziger Jahren besteht die Möglichkeit, diese Virusmenge zu bestimmen. So kann zum einen untersucht werden, wie hoch das Risiko für ein Fortschreiten der Krankheit ist und ob eine antiretrovirale Therapie begonnen werden sollte. Zum anderen kann über die Viruslast bestimmt werden, wie gut eine HIV-Therapie funktioniert. Sind die Medikamente wirksam, hemmen sie die Virusvermehrung, halten die Viruslast also niedrig.
Die Testverfahren zur Bestimmung der Viruslast sind über die Jahre immer weiter entwickelt worden. Sie sind z.B. empfindlicher geworden, so dass man immer kleinere Mengen Virus nachweisen kann. Die Anzahl Viren, die ein Test gerade noch zählen kann, wird als Nachweisgrenze bezeichnet. Das Ziel einer HIV-Therapie ist es, die Viruslast unter diese Nachweisgrenze zu drücken und dort zu halten. Ein Anstieg der Viruslast unter einer Therapie sollte immer Anlass zu der Überlegung geben, ob die Medikamente z.B. infolge einer Entwicklung von Resistenzen ihre Wirksamkeit verloren haben könnten oder ob vielleicht die regelmäßige Einnahme der Medikamente schwierig ist.
Die Viruslast kann stark schwanken. Unterschiedliche Ursachen, z.B. ein grippaler Infekt, können dazu führen, dass die Viruslast kurzfristig ansteigt. Es ist auch bekannt, dass es im Verlauf einer Therapie immer mal wieder zu einem geringen Anstieg der Viruslast kommen kann (sogannte „Blips“), ohne dass die Ursache hierfür eindeutig geklärt ist. Wahrscheinlich wird der Therapieerfolg dadurch nicht gefährdet. Bei zweifelhaften Befunden ist es sinnvoll, die Werte mehrfach zu kontrollieren, so dass ein „Ausreißer“-Wert von einem echten problematischen Befund unterschieden werden kann.
Die Leberwerte
Es gibt eine ganze Palette von Werten, die helfen, den Zustand der Leber zu beurteilen. GOT (auch AST genannt) und GPT (auch ALT genannt) sind die sogenannten Transaminasen. Das sind Enzyme, also Hilfsstoffe, die Stoffwechselvorgänge ermöglichen. Diese Enzyme sind in den Leberzellen enthalten. Wird die Leberzelle geschädigt, (z.B. durch Medikamente, Alkohol oder Viren), werden die Enzyme freigesetzt und gelangen ins Blut. Hier werden sie dementsprechend erhöht gemessen. Je größer der Schaden, desto höher die Werte. Transaminasen, vor allem die GOT, kommen aber auch in anderen Körperzellen (z.B. Muskelzellen) vor. Man muss auffällige Werte also immer mit anderen Werten und mit möglichen Beschwerden und Informationen der Patienten in Beziehung setzen, um sagen zu können, ob tatsächlich eine Leberschädigung vorliegt.
Bilirubin entsteht beim Abbau des Hämoglobins aus den Erythrocyten. Es wird in den Leberzellen umgewandelt und in die von den Leberzellen gebildete Galle abgegeben. Die Galle wird über Kanäle schließlich in den Darm ausgeschieden, wodurch der Stuhlgang seine braune Farbe bekommt.
Ein erhöhter Bilirubin–Wert kann verschiedene Ursachen haben. Durch eine übermäßige Zerstörung der Erythrocyten (durch Infektionen, Medikamente, durch eine Vergrößerung der Milz oder eine fehlgeleitete Immunabwehr, etc.) kann plötzlich soviel Bilirubin anfallen, dass die Leberzellen mit der Verarbeitung nicht mehr nachkommen: Es staut sich unverarbeitetes Bilirubin im Blutkreislauf an und lagert sich zum Beispiel in Haut und Schleimhäuten ab, wodurch sich diese gelb verfärben. Das wird Gelbsucht oder Ikterus genannt.
Es werden bei dir in der Verlaufskontrolle viele unterschiedliche Leberblutwerte kontrolliert; lass sie dir vom Arzt genau erklären.
Die Nierenwerte
Die Nieren sind ein sehr ausgefeiltes Filtersystem. Das gesamte Blut fließt mehrmals täglich durch sie hindurch und wird dabei von Giftstoffen gereinigt, die z.B. beim Stoffwechsel entstehen. Der Nährstoff- und Salzgehalt des Menschen wird ausbalanciert. Das Ergebnis der Filter- und Austauschvorgänge ist der Urin, der schließlich über die Harnwege ausgeschieden wird. Auf dem gleichen Wege werden viele Medikamente aus dem Körper transportiert. Die Dosis der Medikamente muss eventuell angepasst werden, wenn die Ausscheidung (z.B. durch eine Nierenerkrankung) nicht mehr funktioniert.
Das Kreatinin ist einer der Abfallstoffe, der von den Nieren aus dem Blut gefiltert und mit dem Urin ausgeschieden wird. Es entsteht in den Muskelzellen. Steigt sein Wert im Blut an, bedeutet dies, dass die Funktion der Nieren beeinträchtigt ist. Weil die Nieren doppelt angelegt sind und Funktionsausfälle lange durch Steigerung ihrer Filterfunktion ausgleichen können, steigt das Kreatinin im Blut erst an, wenn die Nierenfunktion etwa um die Hälfte eingeschränkt ist.
Der Harnstoff ist das Endprodukt des Eiweißabbaus. Er wird von der Niere aus dem Blut gefiltert. Die Höhe des Harnstoffwertes hängt nicht allein von der Nierenfunktion ab, sondern auch davon, wie viel Harnstoff durch Eiweißabbau entsteht. Er kann z.B. durch eine stark gesteigerte Eiweißzufuhr mit der Ernährung, oder durch einen verstärkten Eiweißabbau aus den Körperzellen bei schwerer Krankheit, erhöht sein. Erhöhte Mengen Harnstoff können durch eine gesteigerte Ausfuhr durch die Nieren noch besser ausgeglichen werden als das Kreatinin. Deshalb steigt der Harnstoffblutwert erst an, wenn die Nierenfunktion um ca. 80 % reduziert ist.
Unter Elektrolyten versteht man die Salze im Blut. Sie werden über die Nahrung aufgenommen und unterliegen im Körper einem steten Kreislauf. Ihr Gleichgewicht wird wesentlich von den Nieren erhalten, die immer die richtige Menge an Salzen ausscheiden bzw. zurückhalten, so wie es der Körper benötigt.
Viele Vorgänge in den Körperzellen sind von einer bestimmten elektrischen Ladung abhängig. Natrium und Kalium sind wichtig, eine bestimmte elektrische Ladung in und um die Körperzellen aufrecht zu erhalten. Erhöhte Kaliumwerte können Gefühlsstörungen, Muskelzuckungen oder Herzrhythmusstörungen verursachen. Falsch hohe Kaliumwerte können aber zum Beispiel entstehen, wenn der Arm bei der Blutabnahme zu lange gestaut wird oder das Blut bis zur Messung zu lange steht. Sind die Werte zu niedrig, kann das zu Schwäche, Darmträgheit und Herzrhythmusstörungen führen.
Calcium ist einerseits für bestimmte Zellfunktionen wichtig, andererseits ist es ein wichtiger Baustoff des Körpers. Zum Beispiel führen Muskelzellen ihre Aktion dank eines raschen Einstroms von Calcium in die Zelle aus, wenn sie dazu angeregt werden. In Verbindung mit anderen Salzen bildet Calcium die harte Knochensubstanz. Zu wenig Calcium im Knochen macht ihn brüchig.
Das Phosphat ist ebenso für eine normale Funktion von Zellen wichtig. Zum größten Teil ist es in einer Verbindung mit Calcium im Knochen gespeichert. Der Phosphatwert muss nicht generell überwacht werden, aber bestimmte Medikamente (Viread) können offenbar vorgeschädigte Nieren so angreifen, dass es auch zu einem verstärkten Verlust von Phosphat über die Niere kommt. Hier kann der Phospatwert entscheidend sein, ob die Behandlung unbedenklich ist oder besondere Vorsicht gelten muss.
Die Bauchspeicheldrüse
Die Bauchspeicheldrüse ist ein Organ, das tief im Oberbauch liegt. Ein Teil ihrer Zellen produziert Hormone, die den Zuckerstoffwechsel regeln. Andere Zellen bilden Enzyme, die für die Nahrungsverdauung im Darm notwendig sind. Werden die Zellwände der Bauchspeicheldrüse geschädigt, (z.B. durch bestimmt Medikamente oder zuviel Alkohol) gelangen diese Enzyme aus den Zellen vermehrt ins Blut.
Wenn Verdacht auf eine Schädigung der Bauchspeicheldrüse besteht, werden die Lipase und die Amylase gemessen. Lipase ist für die Fettverdauung wichtig, Amylase verdaut zuckerartige Nährstoffe (Kohlenhydrate).
Die Blutzuckerwerte
Der Blutzucker (Glucose) ist einer der wichtigsten Energielieferanten für die Körperzellen. Er wird durch die Verarbeitung von Kohlenhydraten im Darm gewonnen und gelangt so in den Blutkreislauf, wird zu den Organen transportiert, die ihn zur Energiegewinnung abbauen oder einlagern. Die Aufnahme von Zucker in viele Zellen wird durch das Hormon Insulin vermittelt, das von der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Wird zu wenig Insulin gebildet oder verlieren die Zellen ihre Empfindlichkeit gegenüber Insulin (z.B. durch ein jahrelanges Überangebot von Zucker und damit von Insulin), steigt der Blutzuckerwert an. Dies wird als Diabetes mellitus bezeichnet. Der Blutzuckerwert sollte nur im nüchternen Zustand ermittelt werden, weil er durch eine Mahlzeit rasch ansteigt.
Es ist bekannt, dass es bei der HIV-Therapie mit Proteaseinhibitoren zu einer Zuckerstoffwechselstörung bis hin zur Entwicklung eines Diabetes kommen kann.
Die Blutfette
Es werden verschiedene Arten von Blutfetten unterschieden. Sie werden aus der Nahrung im Darm zerkleinert und aufgenommen. In den Darmzellen werden die Fette teilweise mit anderen Fetten und Eiweißen zu den sogenannten Lipoproteinen zusammengesetzt. Diese, je nach Zusammensetzung ganz unterschiedlichen Lipoproteine, gelangen ins Blut und so zu den Organen, wo sie eingelagert oder verbraucht werden.
Viele HIV-Medikamente, insbesondere einige Proteasehemmer (PI), stören auf zum Teil noch ungeklärte Weise den Fettstoffwechsel. Das führt vor allem zu erhöhten Triglyceriden und in geringerem Ausmaß zu erhöhtem Cholesterin. Weil erhöhte Triglyceride nicht direkt mit der Entstehung von Herz – Kreislaufkrankheiten im Zusammenhang stehen, ist umstritten, ob diese Blutfettveränderungen durch PI mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten einhergehen.







