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Das Loch im Lebenslauf

Mikes HIV-Infektion hat ihn Mitte der 90er Jahre aus dem Berufsleben gedrängt. Doch dank medizinischen Fortschritten ist er heute wieder arbeitsfähig. Nur: Nach über 10-jähriger Erwerbsunfähigkeit ist es alles andere als einfach, einen Job zu finden.

Von Markus Fleischli

Schwer gezeichnet von seiner Krankheit schied Mike* vor zwölf Jahren aus dem Berufsleben aus. Das war’s nun, dachte er damals überzeugt. Doch der heute 47-Jährige hatte grosses Glück: Kurz bevor sein Immunsystem zu versagen drohte, kamen hochwirksame Aids-Medikamente auf den Markt. Dank ihnen steht er heute wieder mit beiden Beinen im Leben und sucht sich nun einen Teilzeitjob.

Doch Teilzeitstellen sind rar und begehrt zugleich. Und mit einer Lücke von einem Dutzend Jahren im Lebenslauf ist es kein einfaches Unterfangen, Arbeit zu finden. „Ich habe keine Ahnung wie ich dieses Loch glaubhaft begründen soll, ohne zu verraten, dass ich HIV-positiv bin“, sagt der IV-Bezüger und ehemalige Versicherungsspezialist.

Bei der Jobsuche setzt er deshalb in erster Linie auf sein Beziehungsnetz und persönliche Kontakte. „Mit meiner Ausgangslage ist die Chance, in der Privatwirtschaft eine Anstellung zu finden, doch annährend gleich Null“, sagt Mike gedrückt. „Um Menschen, die über körperliche Einschränkungen verfügen oder lange Zeit arbeitsunfähig waren, wieder in den Arbeitsprozess integrieren zu können, ist es unverzichtbar, dass mehr Teilzeitstellen geschaffen werden“, appelliert Mike an die Wirtschaft.

Mike plagen derzeit auch Sorgen über seine zukünftige Existenz. Grund dafür sind einerseits die schlechten Aussichten, bald wieder im Berufsleben Fuss fassen zu können. Die Invalidenversicherung prüft derzeit, ob die Vorraussetzungen für seine Rente noch gegeben sind, indem sie seinen gesundheitlichen Zustand neu beurteilt. „Ich habe Angst, dass die IV nur meine gesundheitliche Situation beurteilt, ohne die wirtschaftlichen Bedingungen zu berücksichtigen“, sagt Mike. „Denn dies könnte – da es mir wieder besser geht – zur Folge haben, dass die Rente nicht nur gekürzt, sondern gestrichen und ich somit ans Sozialamt abgeschoben werden würde.“ Die Ungewissheit über seine zukünftige finanzielle Situation setzt Mike auch derzeit am meisten zu.

Dennoch blickt Mike positiv in die Zukunft. Zuversicht, aber auch Kraft, um seine Probleme zu bewältigen, erhält er in seinem Freundeskreis. Ein stabiles soziales Netz ist daher für HIV-Positive besonders wichtig: Es fängt sie, wenn sie fallen, nicht nur auf, sondern trägt erwiesenermassen auch zu einem positiven Verlauf ihrer Infektion bei.

*Name von der Redaktion geändert

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